20 Nov 2016

Tabuthema Alkohol

Alkohol ist eine der ältesten Drogen der Menschheit, eine Alltagsdroge, die in Österreich von vielen Menschen konsumiert und geschätzt wird. Werden der Tabakkonsum mit Schockbildern versehen, das Jugendschutzgesetz zum Tabakkonsum adaptiert und die Zigarettenpreise ständig erhöht, wird der Alkohol zunehmend in unserer Gesellschaft akzeptiert und toleriert. Alkohol wird beworben, man bekommt ihn im Sonderangebot, und sind Bekannte und Freunde betrunken, wird schallend gelacht und gefeixt.

Doch was passiert im Körper? Wann bin ich süchtig? Was sind die Langzeitschäden?
All das möchte ich Ihnen hier kurz näher bringen und wieder einen kleinen Denkanstoß geben.

Wie wirkt Alkohol?
Alkohol ist eine psychoaktive Droge. In größeren Mengen konsumiert, wirkt er als Zellgift und schädigt praktisch alle Organsysteme des Körpers. Kurzfristig bewirkt er unter anderem eine Erweiterung der Blutgefäße, das Gefühl von Wärme, eine Blutdruck- und Pulssteigerung sowie eine Hautrötung. Alkohol gelangt rasch ins Gehirn und wirkt sich dort auf die Informationsübertragung der Nervenzellen aus. In geringen Mengen kann Alkohol stimulierend und „enthemmend“ wirken, in höheren Dosen jedoch „hemmend“.

Laut WHO ist der Alkoholkonsum für die körperliche Gesundheit schädlich, wenn die tägliche Menge von 60 g bei Männern und 40 g bei Frauen überschritten wird. Um sich das ein wenig besser vor Augen zu führen: 20 g reiner Alkohol sind etwa in einem Krügerl Bier, zwei Glaserln Wein oder in zwei Schnäpsen enthalten.

Die Abhängigkeit von Alkohol entwickelt sich oft schleichend und über Jahre hinweg. Die Grenzen zwischen „normalem“ Trinken und „süchtigem“ Trinken sind fließend, die Folgen schwerwiegend. Alkohol dominiert das Leben der Betroffenen mehr und mehr – sie sind nicht mehr in der Lage, den Konsum von Alkohol auf Dauer zu steuern, auch wenn sie es möchten. Kennzeichnend ist außerdem der immer stärker werdende Drang zu trinken.

Von Alkoholabhängigkeit spricht man, wenn…

  • …körperliche Entzugserscheinungen auftreten (Zittern, Schwitzen, hoher Pulsschlag, Schlafstörungen, Unruhe oder Angstzustände),
  • …es zu einer Toleranzsteigerung kommt (man mehr trinken muss, um den gleichen Effekt zu erzielen),
  • …man nicht mehr mit dem Trinken aufhören kann, obwohl man es eigentlich will (Kontrollverlust).

Der Weg aus der Sucht ist oftmals ein steiniger und von vielen Rückschlägen geprägt. Den Kreislauf Alkoholsucht zu durchbrechen gelingt nur wenigen und ist meist mit Aufenthalten in Spezialkliniken gepaart. Hier wird mit verschiedenen psychologischen und medikamentösen Therapien versucht, dem Betroffenen zu helfen. Nehmen Sie sich kurz Zeit und durchdenken Sie Ihren Alkoholkonsum: Wann trinke ich? Wieviel trinke ich? Trinke ich in bestimmten Situationen (Stress, Einsamkeit etc.)? Habe ich ein Verlangen nach Alkohol? Für uns Jäger sollte eines klar sein: Vor und während der Jagd ist Alkohol tabu, ohne Ausnahme!

 

Die akute Alkoholwirkung lässt sich stufenartig beschreiben:

Ab 0,5 Promille:
Aufmerksamkeit, Konzentration, Reaktionsvermögen und Urteilsfähigkeit sinken, Risikobereitschaft steigt.

Ab 0,8 Promille:
Beginnende Zeichen der Trunkenheit, das Blickfeld verengt sich.

1-2 Promille: Rauschstadium:
Verwirrtheit, Sprechstörungen, Orientierungsstörungen.

2-3 Promille: Betäubungsstadium:
Muskelerschlaffung, Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, Erbrechen.

3-5 Promille:
Bewusstlosigkeit, schwache Atmung, Lähmungen, Koma bis hin zum Atemstillstand und Tod. Die Blutalkoholkonzentration von 5 Promille überleben die meisten Menschen nicht. Die Folgen einer akuten Alkoholvergiftung („Kater“) – Kopfschmerzen, Durstgefühl oder Übelkeit – haben sicher schon einige am eigenen Leib erfahren.

 

Die Langzeitschäden sind beeindruckend!

  1. Leberschädigung: Die Leber wird zirrhotisch, das heißt, sie baut sich um und funktionstüchtige Zellen werden durch einfaches Gewebe ersetzt, das keine Funktion mehr hat. Die Erkrankten zeigen Hautveränderungen, Krampfadern am Bauch und in Magen sowie Speiseröhre. Die mittlere Überlebenszeit von Patienten mit Leberzirrhose beträgt etwa zwölf Jahre, die Todesursache ist häufig Koma durch Leberversagen.
  2. Persönlichkeits- und Hirnleistungsstörungen (organisches Psychosyndrom): Hier kommt es durch den Abbau von Gehirnsubstanz zu Störungen der Gedächtnisleistung, der Feinmotorik sowie der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit. Es kann zu Depressionen oder Angstzuständen kommen.
  3. Schädigung der Nervenbahnen: Taubheitsgefühle, Muskelschwäche oder -krämpfe und Nervenschmerzen.
  4. Gastritis, Speiseröhrenkrebs, Magenkrebs, Entzündung der Bauchspeicheldrüse.
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