20 Nov 2016

Die Jägerinnen und Jäger im 21. Jahrhundert

Was bedeutet mir Jagd?
Für mich bedeutet Jagd Entspannung und Abschalten vom Alltag. Den Gedanken freien Lauf lassen, sich Zeit lassen. Nichts ist schlimmer, als ins Revier zu hetzen und so schnell wie möglich einen Schuss abzugeben, der dann womöglich noch schlecht angetragen wurde und in einer Nachsuche endet.

Ich habe nicht immer eine Waffe dabei, häufig ist das Fernglas meine Waffe. In der Natur zu verweilen, zu beobachten und nicht zu stören, das Wild zu studieren – das ist Jagd für mich. Im stillen Einklang immer dabei ist mein treuer Jagdhund Amon – ein unverzichtbarer Freund, mit dem ich viele Stunden in Wald und Waid verbringe. Jagd ist kein Hobby und kein Zeitvertreib – Jagd ist eine Lebenseinstellung und die innige Liebe zur Natur. Kein Tag vergeht, an dem ich nicht in irgendeiner Art mit der Jagd in Berührung komme und dieses Privileg genieße. Ich bin stolz, ein Jäger zu sein.

Brauchtum in der Jagd
Unter jagdlichem Brauchtum versteht man die traditionellen Verhaltensweisen und Gepflogenheiten im Jagdwesen, die Jäger untereinander und während der Jagd ausüben. Dies beginnt bei der Pflege und Verwendung der Jägersprache und gilt als Selbstverständlichkeit. Ebenso bekannt und weit verbreitet sind Jagdhornsignale und die Bruchzeichen.

Der Umgang mit diesen Brauchtümern wird leider immer schlechter. Vor allem in den sozialen Medien (z.B. Facebook) werden Bilder von erlegten Wildtieren hochgeladen, an denen kein Brauchtum mehr erkennbar ist (fehlende letzte Äsung, das Wild unsachgemäß positioniert und dann fotografiert).

Da gerade diese Bilder einen großen Prozentsatz der nichtjagenden Bevölkerung erreicht, ist dem unbedingt entgegenzuhalten. Denn einmal verloren gegangenes Brauchtum ist nur wieder schwer zu finden und sollten deshalb mit Bedacht behandelt und gepflegt werden.

Frauen in der Jagd
Die Jagd ist nicht mehr das alleinige Betätigungsfeld der Männer. Dies belegen die ständig steigenden Zahlen an Damen, die sich zur Jagdprüfung anmelden und diese mit Bravour meistern. Alleine in der Zweigstelle Bruck an der Mur erhöht sich die Anzahl von Jahr zu Jahr. Die Motive sind zum Beispiel: Gerne in der Natur, angewandter Naturschutz, Freude an der Jagd oder die Jagdhundeausbildung. Daher freue mich über die große Teilnehmeranzahl der Frauen bei unseren Kursen und wünsche mir, dass es so weiter geht.

Aber was unterscheidet denn rein von der Motivation her eine Jägerin von einem Jäger?
Der markanteste Unterschied ist alles, was mit dem Thema „Status“ verbunden wird, wie Waffenästhetik, Jagdtrophäen, gesellschaftliche Aspekte der Jagd etc. Frauen ist dies alles bei weitem nicht so wichtig wie Männern. Bei den Jägerinnen steht die Hege im Vordergrund, das Aufrechterhalten von Wald und Natur. Ferner ist den Jägerinnen das Empfinden des Unterschieds zwischen Alltag und der Jagd weit wichtiger als ihren männlichen Jagdkollegen. Einzig die Beschaffung von Wildbret sehen beide Geschlechter als wichtigen Grund für die Ausübung der Jagd an. (Das Jagdportal Niederösterreich)

Die Jagd in der Öffentlichkeit
In letzter Zeit fällt mir vermehrt auf, dass man als Jäger immer größeren Anfeindungen ausgesetzt ist. Sowohl im Revier als auch online in den sozialen Medien. Oftmals beginnt eine regelrechte Hetzjagd, sobald man sich als Jäger äußert und kritische Fragen stellt.

Gerade in der heutigen Zeit ist es hier wichtig, die Jägerinnen und Jäger im Umgang mit den sozialen Medien zu sensibilisieren. Wir stehen in der Öffentlichkeit ohnehin unter sehr genauer Beobachtung, deshalb ist es wichtig, sich auch den Auswirkungen verschiedener Postings auf Facebook, Whatsapp und ähnlichen sozialen Plattformen bewusst zu sein. Die Jagd ist mehr denn je im Visier der nichtjagenden Bevölkerung und es gehört zu den dringlichsten Aufgaben der Jägerschaft, diese über die Jagd, über deren Sinn und Notwendigkeit aufzuklären.

Eine weitere Ursache für den kritischen Blick der Öffentlichkeit auf die Jagd ist auch in der Verdrängung des Themas Tod aus dem Alltag zu finden. Heute wird versucht, die Entstehungsgeschichte von Fleisch, Wurst & Co. zu verschweigen und die Notwendigkeit des Tötens von Tieren zur Fleischgewinnung dringt nicht mehr in das Bewusstsein der Konsumenten.

Zur verantwortungsvoll ausgeübten Jagd gehört neben vielen anderen Dingen wie Schaffung und Erhaltung von Lebensräumen, Beobachten des Wildes, Errichtung und Pflege von Reviereinrichtungen, Nachsuchen von Kfz-Fallwild aber eben auch das Erlegen von Wild. Pro erlegtem Stück wenden Jägerinnen und Jäger etwa 20 Stunden auf. Der Schuss und damit das Erlegen dauern gerade einmal den Bruchteil einer Sekunde. (Fritz Wolf - Forstwart Stift Melk, Fachautor, zertifizierter Wald- und Jagdpädagoge, Jäger aus Berufung)

Dass wir Jäger auch töten, das ist uns klar. Aber wir machen es verantwortungsbewusst und in dem Wissen, dass wir ein Leben nehmen, um ein hochwertiges Lebensmittel zu beschaffen. Wir bekommen ein Lebensmittelprodukt von einem Wildtier, das bis zu seiner Erlegung in Freiheit gelebt hat - ohne Medikamente, ohne Massentierhaltung und ohne Stress. Jagd ist für mich die fairste Art der Fleischbeschaffung - mit Respekt vor dem Lebewesen! Bei uns Jägern ist ein Tier nicht nur eine Nummer, sondern eine Geschichte, welche wir in Erinnerung behalten werden. Deshalb bin ich stolz darauf, Jäger zu sein.

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